Diese Woche hat Google eine diskussionswürdige Erweiterung seiner Toolbar mit dem Namen Sidewiki vorgestellt. Die neue Funktion ermöglicht es Internetseiten, in einem durch Sidewiki bereitgestellten Feld im Browserfenster, zu kommentieren. Klingt im Ansatz typisch Google, ist es aber bei genauerem Hinsehen nicht unbedingt und wird im Netz bereits heiß diskutiert.
Doch was ist Sidewiki eigentlich? Im GoogleWatchBlog wird der neue Dienst folgendermaßen beschrieben:
"Mit Hilfe von Sidewiki können Nutzer Wissen und Erfahrung mit Nutzern aus der ganzen Welt austauschen. Sie können Kommentare schreiben, Erkenntnisse mitteilen und zusätzliche Informationen beim Besuch von verschiedenen Webseiten austauschen."
Klingt also durchaus nach einem nützlichem Tool, dass auf Kooperationen und der Weisheit der Massen beruht und dem Internetnutzer in googletypischer Art wieder ein bisschen mehr Macht und Mitbestimmung im Internet einräumt. Dass so etwas sinnvoll und hilfreich sein kann ist wohl unbestritten, wie auch das Einführungsvideo von Google zeigt:
Warum aber ist Sidewiki nun so untypisch für Google, wenn es doch nur ein weiteres Tool ist, mit dem sich Nutzer untereinander über Webseiten informieren und austauschen können? Mindestens drei zentrale Kritikpunkte fallen hier ins Auge:
1. Google etabliert mit Sidewiki ein Meta-Internet. Ein Netz über dem und über das Netz. Das Sidewiki und somit Google tritt inhaltlich in Konkurrenz mit bestehenden Webseiten. Google greift damit seine eigene "Stromversorgung" an.
2. Kommentare und Diskussionen werden von den Seiten, über die gesprochen wird, ins Google-Universum verlegt. Dies sollte besonders Blogger beunruhigen, da die Diskussion und Kommentarfunktion den wesentlichen Reiz eines Blogs ausmachen. Von Google bisher nicht gekannte Hierarchiemuster drängen sich auf, die versuchen die Interaktivität des Web 2.0 zu zentralisieren.
3. Der Service ist nur Nutzern mit der Google Toolbar und einem Google Account zugänglich. Ein klarer Versuch Googles seine ohnehin mächtige Stellung weiter auszubauen und zu festigen.
FAZIT
Ich bin ein bekundender Fan von Google. Ich schätze die Services, die es mir kostenlos zur Verfügung stellt und teile den kooperativen Grundansatz der Google-Philosophie. Gerade erst habe ich "What Would Google Do?" von Jeff Jarvis verschlungen und darin viel Inspiration und Ideen gefunden. Ich bin gerne bereit in meinem Blog GoogleAds zu platzieren und Google viele meiner Daten zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung bekomme ich dafür unzählige Services, die mir das Leben im Netz vereinfachen und für die ich keinen Cent ausgeben muss. Trotzdem hinterlässt Sidewiki einen schalen Beigeschmack. Google legt seine Arme ungewohnt vereinnahmend um den User. Hat es etwa den Glauben in uns verloren und strebt jetzt nach der vollständigen Kontrolle? Ich glaube nicht. Irgendwie passt das nicht zu Google.
Nachfolgend könnt ihr den Artikel übrigens noch ganz old-school kommentieren...
Nachfolgend könnt ihr den Artikel übrigens noch ganz old-school kommentieren...

Moin Tom,
AntwortenLöschenim gegensatz zu Dir bin ich bekennender google-Hasser.
Und ja, dieses Tool ist Bullshit, wie alle ähnlichen Versuche vorher auch. Leider besteht hier die Gefahr, dass es eine relevante Verbreitung finden könnte.
Hoffen wir, dass es genauso erfolglos wird, wie die meisten Tools die google nicht zugekauft, sondern selbst entwickelt hat.
Gruß
Ralf